Daniel & Kevin - Love and Protect - Seite 11

„Sei nicht traurig, sowas passiert auch im Ernstfall. Man erschrickt. Also üben. Du kannst am Schluss nochmal rein, wenn du möchtest“, munterte ihn Daniel auf.
„Oh ja!“
„Benny, jetzt du.“
Als Mario auftauchte, ließ Benny zwar nicht gerade das Spray fallen, aber er schaffte es erst, loszusprühen, als Mario schon viel zu dicht an ihm dran war und traf daher nur seinen Schritt.
Erwartungsvoll sah er zu Daniel, als er aus dem Trainingsraum kam, doch der schüttelte den Kopf. „Wäre nur schmerzhaft, wenn der Angreifer nackt gewesen wäre. Also leider auch keinen Punkt für dich.“
„Mist. Darf ich dann auch nochmal?“
„Klar.“ Daniel sah zu Kevin. „Bereit?“
„Oh ja“, brummte der und überprüfte nochmal sein Übungsspray.
„Dann mal los.“
Alle sahen wieder auf den Bildschirm und dieses Mal musste sich Daniel ein Lachen verkneifen, als er sah, dass Kevin nicht nur ins Schwarze traf, sondern auch seine komplette Dose leerte. Mario sah daraufhin gar nichts mehr und er hörte ihn leicht verzweifelt fragen, ob die Dose denn wirklich völlig leer sei, damit er seine Brille abnehmen und säubern konnte.
Daniel drückte den Knopf der Gegensprechanlage. „Ja, Kevin ist leer. Keine Sorge. Er hat es dir ganz schön besorgt!“
„Der hat es echt ernst gemeint, was?“, knurrte Mario.
„Ich schick dir jetzt nochmal Julio und Benny rein.“
Mario reckte den Daumen und setzte seine Schutzbrille wieder auf.
Währenddessen kam Kevin strahlend zu ihnen und die anderen klatschten ihn ab.
„Gratuliere“, meinte Daniel schmunzelnd.
Kevin grinste etwas schief. „Ich hatte da so eine bestimmte Vorstellung.“
Nachdem auch die beiden anderen schließlich Mario mit Erfolg eine Ladung ins Gesicht geschossen hatten, folgte noch eine Trockenübung, die sie wieder draußen machten. Normalerweise hatte man ja das Pfefferspray nicht zwingend in der Hand, daher übten sie nun noch, dieses in einer brenzligen Situation schnell aus der Tasche zu ziehen und gezielt loszusprühen.
Am Ende waren Daniel und Mario ziemlich nass und ihre vier Schützlinge sichtlich stolz. Es hatte eine Weile gedauert, aber nach einer Stunde üben war es sogar Benny und Julio gelungen, gezielt zu sprühen, während sie in Bewegung waren.
Dementsprechend gutgelaunt fuhren sie wieder nach Hause, um den Tag mit einem gemeinsamen Grillabend mit den anderen ausklingen zu lassen.

Als Kevin am nächsten Morgen zum Frühstück kam, stand ein Pfefferspray neben seinem Kaffeebecher. Ihm klappte der Mund auf. „Is’ das echt?“
„Mhmm. Für alle Fälle, hm?“, meinte Daniel augenzwinkernd.
Kevin strahlte. „Danke!“
„Ich denke, du weißt jetzt, wie man damit umgeht.“
„Ich glaub auch.“

Was Daniel Kevin beim Frühstück allerdings nicht auf die Nase band, war, dass er die Sache mit dem Übergriff an der Bushaltestelle nicht einfach so auf sich beruhen lassen würde. Im Gegenteil. Und das hatte nichts damit zu tun, dass Ta der gleichen Meinung war. Er hatte das bereits mit Mario besprochen und daher warteten sie gegen zwei Uhr nachmittags an der angegebenen Adresse in der Nähe der Bushaltestelle. Sie hatten dieses Mal Marios Wagen genommen, da Kevin Daniels Auto erkennen würde. Aufmerksam beobachteten sie die Straße.
„Das könnte er sein. Schau mal rüber auf zwei Uhr“, knurrte Mario, der den Kerl dank Kevins Beschreibung offenbar sofort zu erkennen glaubte.
Daniels Augen folgten Marios Nicken und seine Augen wurden schmal. „Was für ein fieser Typ. Sieh dir an, wie der die Lage checkt.“ Daniel hob seine Jacke, ohne den Kerl aus den Augen zu lassen, und nahm seine Dienstmarke, die er im Gürtel eingehakt hatte, ab.
„Warte erstmal.“
Daniel knurrte etwas Unverständliches.
Mario fluchte und saß senkrecht hinterm Steuer, als plötzlich Kevin auftauchte und der Typ ihm in Sekundenbruchteilen wieder auf die Pelle rückte. Da er von hinten kam, gelang es Kevin auch nicht, das am Vortag Gelernte umzusetzen. Das Pfefferspray blieb in seiner Tasche.
„Das is’ er“, zischte Daniel. „Fuck!“ Er konnte sehen, wie Kevin schmerzhaft das Gesicht verzog, als ihn der Mann wieder am Arm packte.
Mario reagierte blitzschnell und ließ zweimal kurz die Sirene aufheulen, die es natürlich auch in diesem Zivilfahrzeug gab.
Hastig ließ der Kerl Kevin los, der seine Chance sofort nutzte und wegrannte. Kurz darauf war er wie vom Erdboden verschluckt, während sich der Typ immer noch hektisch umsah und rückwärts auf einen graffitibesprühten Hauseingang zuging, in dem er schließlich verschwand.
„Gib mir Deckung!“, knurrte Daniel und war kurz darauf ebenfalls im Hausgang verschwunden.
Mario beeilte sich auszusteigen und postierte sich vor der Tür, die einen Spalt offen stand.
„Hey, was zum Teufel soll das, du Wichser?“
„Wichser, hä?“ Daniel knallte ihn an die Wand und als der Kerl ein Messer zog, drückte er bereits den Lauf seiner Glock gegen sein Kinn. „Lass fallen!“, flüsterte er ihm eisig zu. „Wird’s bald?“
Metallisches Klirren zeugte davon, dass der Mann gehorchte.
„Schon besser. Eine falsche Bewegung und dein Hirn ist Mus! Fällt hier drin noch nicht mal sonderlich auf.“
„Was willst du? Geld? Ich geb dir Geld!“
„Maul halten.“
Pferdeschwanz verstummte und Daniel sah trotz des Zwielichts Schweißperlen auf seiner Stirn. Offenbar war er noch nicht oft bedroht worden.

Zwei Jugendliche, die auch nicht gerade vertrauenserweckend aussahen, steuerten auf den Hausgang zu, doch Mario ließ seine Marke aufblitzen und die beiden zogen es vor, einstweilen im nächsten Laden zu verschwinden.
„Beeil dich!“, zischte er zur offenen Tür.
Kurz darauf hörte er, wie Daniel dem Typen einige unmissverständliche Sätze aufs Auge drückte, dem folgte ein heiseres, unterdrücktes Stöhnen, dann erschien Daniel, der ein Messer in der Hand hielt, dessen Griff wiederum in ein Taschentuch gewickelt war.
„Festnehmen?“
Er schüttelte den Kopf und sie liefen zum Wagen.
Wenig später waren sie ein paar Blocks entfernt und Daniel packte das Messer in einen Asservatenbeutel. „Lass das mal auf Fingerabdrücke überprüfen. Ich wette, der ist im System.“

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