Daniel & Kevin - Love and Protect - Seite 12

„Mach ich. Hat er dich damit bedroht?“
„Ja, aber ich war schneller.“ Er angelte nach seiner Marke und klemmte sie wieder an seinen Gürtel. „Hast du Kevin noch irgendwo erblickt?“
„Nein. Was hast du mit dem Arsch gemacht?“
Daniel verzog das Gesicht. „Besser, du weißt das nicht.“
„Dem Japsen nach hast du ihn in die Eier getreten.“
Daniel schwieg.
Mario grinste. „Aha.“

Als Daniel am Abend nach Hause kam, hatte Kevin wieder gekocht. Er war erleichtert, denn somit stand fest, dass der kurze Zwischenfall mit Mr. Arschloch Kevin nicht aus der Fassung gebracht hatte.
„Hi. Wow, es riecht köstlich“, sagte Daniel, als er die Tür schloss und Buddha am Kopf kraulte.
„Hi! Dauert aber noch ein wenig“, rief ihm Kevin zu. „Du kannst ruhig erst duschen.“
Zehn Minuten später setzte sich Daniel frischgeduscht an den gedeckten Tisch.
„Lass es dir schmecken!“ Kevin lud einen herzhaften Auflauf auf seinen Teller.
„Ich glaub, ich kann mich an das hier echt gewöhnen. Wenn’s nach mir geht, musst du gar nicht mehr nach oben ziehen, sobald was frei wird“, rutschte es Daniel heraus.
Kevins Grinsen wurde breiter. „Klingt gut. Mir gefällt’s hier unten bei dir eh viel besser.“
Ihre Blicke trafen sich für ein paar Sekunden länger als sonst, dann kaute Daniel weiter.
„Wie war dein Tag?“, fragte er dann ablenkend.
„Stell dir vor, dieser Arsch ist wieder aufgetaucht“, erzählte ihm Kevin dieses Mal sofort.
Daniel sah auf seinen Teller und konzentrierte sich auf das Essen. „Und?“, fragte er beiläufig. „Hast du ihn gepfeffert?“
Kevin stöhnte genervt.
Jetzt sah er doch auf.
„Nä, war zu langsam. Kannst du das glauben? Nach all dem Training gestern? Er kam von hinten.“
Daniel gelang es, die Stirn zu runzeln. „Hat er dich wieder angefasst?“
„Ja. Aber dann hatte ich unglaubliches Glück. Irgendwo hat ’ne Polizeisirene aufgeheult. Nur ganz kurz. Nicht wegen mir, wegen irgendwas anderem. Aber das hat gereicht und ich konnte mich losreißen und bin weg. Bin einfach bis zur nächsten Bushaltestelle gejoggt. Nervt langsam. Ich glaub, ich schau mal, ob ich mir ’nen Roller zulegen kann.“
„Keine schlechte Idee. Wenn du magst, kann ich dich vorübergehend auch von der Schule abholen. Wir sind eh öfter in der Gegend unterwegs“, flunkerte er.
„Im Ernst?“
Daniel zuckte mit den Achseln. „Warum nicht? Außer es ist dir peinlich, von ’nem Cop abgeholt zu werden?“
„Spinnst du? Das wär so cool!“
Wieder trafen sich ihre Blicke für einen Bruchteil länger als notwendig.
„Wir kriegen das hin. Und wir werden weiter am Pfefferspraytraining dranbleiben, was hältst du davon?“
„Kling gut!“
„Sobald dir die Rippen nicht mehr wehtun, gehen wir ins Selbstverteidigungstraining.“ Ihm wurde ganz warm ums Herz, als er Kevins glückliches Lächeln sah.

„Kommst du heute noch mit mir rüber zu Sean’s oder fährst du gleich heim?“, fragte Mario am Freitagabend und klang fast so, als würde er mit einer Abfuhr rechnen.
Seit Kevins Einzug hatte sich Daniel kaum mehr die Zeit genommen, mit Mario nach Dienstschluss auf ein Bier zu gehen, daher plagte ihn das schlechte Gewissen, erneut abzusagen.
„Klingt gut“, antwortete er also, obwohl es ihn in der Tat eher nach Hause zog.
„Dein Glück, sonst würde ich mich langsam nach einem neuen besten Freund umsehen“, knurrte Mario und klopfte ihm auf die Schulter.
Daniel grinste etwas schief.
Kurz darauf ergatterten sie bei Sean’s einen der letzten Plätze und prosteten sich seit Wochen zum ersten Mal wieder mit einem Guinness zu.
Die Bar war bis auf den letzten Platz gefüllt und der Lärmpegel an diesem Freitag war so hoch, dass man kaum sein eigenes Wort verstand. Anfangs gelang es Daniel noch, sich auf Mario zu konzentrieren, aber sie wurden immer wieder von Kollegen unterbrochen, die an ihrem Tisch kurz Halt und Smalltalk machten. Daher bemerkte er auch nicht, dass Mario schon längst wieder mit ihm redete oder besser, es versuchte. Erst als Mario mit der flachen Hand energisch auf den Tisch haute, schrak er zusammen und starrte ihn verwirrt an.
„Himmel noch mal, was ist denn nur los mit dir? Ist irgendwas von meinem Monolog der letzten fünf Minuten bei dir angekommen?“, beschwerte sich Mario und schüttelte den Kopf.
„Äh, fünf Minuten?“, fragte Daniel vorsichtig, um Zeit zu gewinnen, doch er konnte sich an kein einziges Wort erinnern, das Mario zu ihm gesagt hatte.
„Eher zehn …“ Mario seufzte. „Von was hab ich gesprochen?“
Daniel versuchte es mit einem Schuss ins Blaue. „Von unserem aktuellen Fall?“
Mario verdrehte die Augen. „Ich hab von Jasons und Daves neuer Geschäftsidee mit dem vierten Studio geredet, bei dem wir beide mit einsteigen sollen. Jason hat mich heute angerufen und gefragt, ob wir uns nächste Woche mal zu einem ersten Brainstorming treffen.“
Daniel sah ihn betreten an. Ausgerechnet! Und das hatte er nicht gehört? Oh Mann.
„Dacht’ ich’s mir doch …“ Mario sah ihn eine Weile schweigend an. „Raus mit der Sprache. Was ist los?“
„Was?“
Mario starrte ihn aus seinen dunklen Augen an, doch Daniel wich seinem Blick aus, was Mario noch einmal dazu nötigte, auf den Tisch zu hauen. Dieses Mal mit der Faust. „Sieh mich an, verdammt noch mal!“
Daniel zuckte erneut zusammen und sah wieder auf.
„Ich bin seit acht Jahren dein Partner und auch dein bester Freund, darf ich behaupten. Glaubst du wirklich, ich weiß nicht, was mit dir los ist?“
„Was ist denn mit mir los?“, fragte Daniel stirnrunzelnd.
„Du willst wirklich, dass ich dir das sage?“
Er zuckte mit den Achseln.
„Ernsthaft?“
Schweigen.
Mario saß es mehrere Minuten lang aus, in denen sie sich nur ansahen. Dann hatte er genug. „Du bist, verdammt noch mal, bis über beide Ohren verknallt!“
Daniel spürte, wie ihm augenblicklich die Röte ins Gesicht schoss, als hätte er gerade eine schallende Ohrfeige bekommen. Es glühte förmlich bis hin zu seinen Ohren.

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