Luke & Tim - Bound Triangle - Seite 1

„Nett.“
„Die haben mir ’nen Scheiß-Zwanziger in die Hand gedrückt und gesagt, ich soll mir ein Taxi rufen und heimfahren. Seh ich so aus, als würd ich heimfahren und vor der Glotze hängen wollen? Was? Fick dich Bruderherz!“, brüllte er dem Wagen, der längst nicht mehr zu sehen war, hinterher. „Aber da hat er die Rechnung ohne mich gemacht. Arschloch.“
„Wo wollten die denn hin?“
„In ’nen Strip-Club. Oder besser in ’nen Gay-Strip-Club.“ Tim merkte, wie der Typ vorsichtshalber einen Schritt zurücktrat. „Wenn dich das jetzt anekelt, dann belassen wir es besser bei unserem Smalltalk, sorry. Wollte dir nicht zu nahetreten, Pale-Boy. Kann ja nicht jeder was mit anfangen.“
Tim schnaubte. „Pale-Boy, hm? Hat mich jetzt auch noch keiner genannt.“
Der junge Mann lachte. „Oh, ich kann dir noch ganz andere Namen verpassen. Ich steh total auf euch Pale-Boys, sehr zum Missfallen meines Bruders. Aber, hey, der hat mich grad ausgesetzt. Selber schuld.“
Tim hörte Luke anerkennend in sein Ohr brummen und musste sich ein Grinsen verkneifen.
„Und wieso bist du aus dem Wagen geflogen?“
„Bin nicht geflogen, bin gesprungen. Der Typ wollte mir an die Wäsche, aber ich lass mich doch nicht von jedem dahergelaufenen Trucker angrapschen. War’n Arsch.“
„Ach, aber sonst schon?“, hakte der Typ nach.
„Kommt drauf an.“ Tim nickte ihm zu. „Ich hau jetzt ab.“ Er wandte sich zum Gehen.
„Hey, warte mal, wo willst’n du jetzt hin?“
„Ich? Ich fahr jetzt ins The Grab. Mal sehen, was so rumläuft.“
„Geil! Kann ich mitkommen? Da wollt ich immer schon mal rein. Muss voll abgehen da drin.“
„Jep. Gibt dort auch Arschlöcher, aber ab und zu …“ Tim musterte ihn. „… auch mal was sehr Interessantes. Ich bin jedenfalls heiß, den Arsch von eben zu vergessen und mir was Leckeres aufzugabeln.“

Eine Viertelstunde später zahlte Tim das Taxi, als sie vorm The Grab hielten, und sie stiegen aus.
„Oh, Scheiße …“, brummte sein Begleiter, als sein Blick auf die lange Schlange am Einlass fiel. „Da warten wir ja ’ne Stunde!“
„Blödsinn. Biste bereit, kurz so zu tun, als wärste mein Kumpel?“
„Kennst du einen anderen Weg rein?“
„Jep.“
„Klar, passt schon.“
„Dann komm.“ Tim klopfte kurz danach am Seiteneingang. Das Sichtfenster wurde geöffnet und gleich wieder geschlossen. Kurz darauf öffnete sich die Tür und J.R. ließ sie ein.
Tim und er begrüßten sich mit Handschlag.
„Oh, heute schon in Begleitung, was?“
„Mhmm.“ Tim fiel ein, dass er den Namen des Kerls gar nicht kannte, doch der war auf Zack und sprang ihm bei.
„Leon.“
J.R. nickte und musterte ihn. „Wie alt?“
„Einundzw …“
„Neunzehn“, fiel ihm Tim ins Wort. „Nicht flunkern, Buddy, sonst will er deinen Ausweis sehen.“
„Zu spät. Ausweis, Kumpel.“
Leon seufzte und gab ihn J.R.
Der grinste, ging kurz zu einer Nische und kam mit einem pinken Armbändchen wieder. „Wenn ich dich ohne erwische, fliegste raus, haben wir uns verstanden?“
„Pink? Echt jetzt. Passt überhaupt nicht zu meinen Klamotten!“, beschwerte sich Leon.
„Reiß dich zusammen oder J.R. lässt dich nicht rein. Kein Alkohol unter 21. Also?“
Grummelnd ließ sich Leon das Armband am Handgelenk befestigen und versteckte es sogleich unter seinem mohnroten Hemd. „Beißt sich echt total“, meckerte er.
„Gehen wir, bevor es sich J.R. anders überlegt.“
Der nickte. „Besser ist das, ja.“
Tim steckte ihm einen Schein zu und dann waren sie drinnen.
„Also dann, viel Spaß“, sagte Tim leichthin und wollte sich abwenden.
„Hey, wart mal. Wohin so schnell? Haste ’n Date?“
Tim schnaubte. „Noch nicht. Aber was nicht ist, wird hier drin sicher noch werden, was?“
„Magst du mir hier mal alles zeigen? Ich kenn mich ja nicht aus.“
„Von mir aus.“
„Sei mal ein wenig netter, alter Rüpel“, hörte Tim Lukes Stimme im Ohr und verkniff sich ein Grinsen. Seine schroffe Masche funktionierte jedenfalls bislang ganz gut bei Leon.
Sie schoben sich durch die Menge zu einer Empore, von wo aus man einen guten Überblick hatte. Der Club war schon gut besucht und die verschiedenen Tanzflächen voll. Es war ein Aufreißerschuppen, wie er im Buche stand, und dementsprechend ging es auch neben der Tanzfläche ab. Leon wusste offenbar gar nicht recht, wo er zuerst hinsehen sollte, während ihm Tim ein paar Sachen erklärte.
Es dauerte nicht lange und die beiden tanzten zusammen.
„Hey, du hast voll den Groove, Pale-Boy. Gefällt mir!“
„Hm, danke.“
„Wie heißt’n du überhaupt?“
„Tim“, brüllte er ihm ins Ohr.
Während sie tanzten, beobachtete Tim verstohlen Leons Verhalten, doch der wiegelte sämtliche Avancen von Männern gleicher Hautfarbe kategorisch ab und schien in der Tat vor allem am optischen Gegensatz interessiert zu sein. Was das betraf, hatte er offenbar die Wahrheit gesagt. Er wirkte älter und war auch größer als die jungen Männer, die Luke und er sonst so auf dem Radar hatten, aber das störte Tim nicht wirklich. Schließlich hatte ihm Luke in Aussicht gestellt, heute mal der Erste sein zu dürfen, dann konnte er auch seinem eigenen Geschmack Tribut zollen, oder etwa nicht?
Eine Stunde später war die Situation bereits wesentlich eindeutiger. Leon hing ihm am Rockzipfel und machte ihm schöne Augen. Während des Tanzens berührte er ihn oft und auch intim. Tim ließ ihn gewähren.
„Wir sollten uns aufm Klo treffen, damit ich dir den Scheiß-Cockcage abnehmen kann. Immerhin ist das dein Fang! Der geht jedenfalls ganz schön ran, glaub nicht, dass es noch lang dauern wird, bis der mit dir verschwinden will.“
„Du willst doch sicher zusehen, oder?“, fragte Tim und beugte sich dabei zu seinen Schuhen hinab, damit Leon nicht sah, dass er redete.
„Hab ich vor, ja. Aber was, wenn er türmt, nachdem er merkt, es gibt zwei?“
„Drauf ankommen lassen?“
„Na gut. Ich geh raus.“
Fünf Minuten später stand Tim mit Leon knutschend am Rand der Tanzfläche. Testweise strich er über Leons Schritt und bemerkte, dass er hart war. Ihre Blicke trafen sich.
„Bist’n geiles Kerlchen, was?“
„Bock, zu verschwinden?“, fragte Leon und schlang die Arme um Tims Hals.
„Und dann?“, murmelte er in seinen Kuss. Er merkte, dass Leon seiner Zunge Einlass gewährte und sein Herz hüpfte vor Vorfreude.
„Ficken?“
Tim schüttelte den Kopf. „Ich such einen, den ich flachlegen kann, nicht umgekehrt.“
„Ich bin dabei“, raunte ihm Leon zu.
„Is’ das dein Ernst?“ Tim rieb sich an ihm.
„Ich will endlich keine Jungfrau mehr sein. Uhm …“ Er zögerte. „Stört dich das?“
Tim lächelte. „Absolut nicht. Solang du mich nicht heiraten willst.“
Leon schnaubte. „Keine Sorge. Ich will nur ’nen geilen One-Night-Stand.“
Tim überlegte, wie er ihm das mit dem Cockcage verklickern sollte, doch Leon deutete sein Zögern anders. „Hör zu, ich trag ’nen Plug, weil ich das heute Nacht eh vorhatte. Hatte dabei an einen Kumpel meines Bruders gedacht, der auch mit im Wagen saß, aber da der sich nun als ebensolches Arschloch erwiesen hat, hab ich da keinen Bock mehr drauf. Also, wenn du es nicht tust, bin ich mir sicher, dass ich hier schon jemanden finde, der es mit mir macht. Ich weiß nur eins: Es wird heute Nacht passieren!“
Tim küsste ihn und murmelte: „Keine Sorge, ich hab mehr als Bock drauf, dich deiner Unschuld zu berauben.“
Leons Hand landete in seinem Schritt. „Verdammt, du bist genauso hart, wie ich. Ich glaub dir.“
„Nope, ich wär gern genauso hart wie du.“
„Du bist …“
Er schüttelte wieder den Kopf. „Ich trag ’nen Cockcage.“
„Wieso das denn? Das is’ sowas wie ’n Keuschheitsgürtel, oder?“ Leon sah ihn mit großen Augen an.
„Mhmm.“
„Gibt dir das den besonderen Kick?“
„Manchmal. Ich hab ’nen Freund.“
„Umso besser, dann bleibts hoffentlich wirklich beim One-Night-Stand, was?“ Leon schien erleichtert.
„Der muss mir erst den Cockcage aufschließen, danach kanns losgehen.“
„Klingt so, als würde er zusehen wollen.“
„Könnt gut sein.“
„Vielleicht kann ich den ja vernaschen?“
Tim hörte Luke leise lachen. „Bock auf ’n Dreier, was? Du Lüstling“, fragte Tim amüsiert.
Leon kicherte. „Mein Bruder feiert immer wilde Partys mit seinen Kumpels, da vögelt immer irgendwann jemand rum. Is’ also nix Neues für mich.“
„Ach sieh an“, kam es leise von Luke und Tim grinste.
„Nimmste mich jetzt mit nach Hause?“, fragte Leon und rieb sich aufreizend an ihm.
„Wir haben ’nen Van draußen, da kann man es ungestört machen.“

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