River & Matt – Der Weihnachtskuss - Seite 13

Matt drückte ihm noch einen Kuss auf die Lippen und stand dann auf. Er nahm sein Bier und ging wieder auf die andere Seite des Bettes. River sah ihm glücklich nach, als er es sich wieder bequem machte. Er hatte keine Angst mehr, dass die Welt morgen vielleicht weniger rosig aussähe, wenn er vielleicht doch einschlafen würde.
Stunden später lagen sie immer noch völlig bekleidet im Bett und redeten. Vor allem über das, was mit Joey passiert war, aber auch über anderes.

Irgendwann mussten sie wohl doch eingeschlafen sein, denn River wachte auf, als sich Matt neben ihm ruckartig aufsetzte.
Als er die Augen öffnete, sah er Joey am Fußende des Bettes stehen. Ihm wurde erst eiskalt, dann heiß. Erst dann sah er, dass Joey von einem Ohr zum anderen grinste.
„Sorry, dass ich euch geweckt hab. Ihr habt total süß ausgesehen.“
River warf Matt einen unsicheren Blick zu.
Der räusperte sich. „Hey, Großer, ich, äh, wir haben noch ziemlich lang gequatscht und da müssen wir wohl eingeschlafen sein. Sorry, dass du aufgewacht bist, und ich war nicht da.“
„Kein Problem, ich kenn mich hier ja aus.“ Joey ließ sich aufs Bett plumpsen und sah von einem zum anderen. „Heißt das, ich krieg dann das andere Zimmer ganz für mich allein, wenn du ab jetzt bei Onkel River schläfst?“
River musste sich auf die Zunge beißen, um nicht laut loszulachen. DAS ist definitiv Matts Sohn! Kein Blatt vor den Mund und immer schön raus damit.
„Äh …“, hörte er Matt sagen.
Joeys Grinsen wurde noch breiter. „Cool! Es is’ nämlich viel größer als mein altes Zimmer.“ Er runzelte die Stirn. „Du schläfst doch ab jetzt bei Onkel River, oder? Ich meine … hast du’s ihm endlich gesagt?“
„Was gesagt?“, fragte Matt sichtlich verwirrt.
Joey stöhnte. „Na, dass du ihn liebst!“
Matt schluckte hörbar.
Na, jetzt bin ich ja mal gespannt, dachte River amüsiert und beobachtete Vater und Sohn, die sich unverwandt in die Augen sahen.
„Wär das denn okay für dich?“, fragte Matt mit leiser Stimme.
Statt einer Antwort fiel Joey seinem Dad um den Hals. „Total“, murmelte er ihm ins Ohr.
„Ich hab dich so doll lieb, Großer!“
„Ich dich auch.“ Joey löste sich von Matt und hob die Hand, sodass River ihn abklatschen konnte. „Hast du Daddy auch so lieb, wie er dich?“, wollte er dann noch wissen.
„Mhmm. Allerdings.“
„Gut! Dann bin ich beruhigt.“ Er sah wieder seinen Dad an. „Mit Dad und Onkel River in einem Haus zu leben, wird einfach toll werden.“
„Äh, Joey?“, meldete sich River zu Wort.
„Hm?“
„Vielleicht kannst du ja mal versuchen, den vermaledeiten Onkel wegzulassen?“, fragte er vorsichtig.
Joey grinste.
„Klingt ’n bisschen komisch, vor allem jetzt, wo, äh … na ja, du weißt schon …“ Er zeigte auf Matt und sich.
„Ich kann’s ja mal versuchen“, schlug Joey vor und machte dann die Siegerfaust. „Ich muss das unbedingt Song Li erzählen. Ihr ist das zuerst aufgefallen. Schon vor einem halben Jahr, als wir den Garten bei dir gemacht haben.“
„Song Li?“, fragte River verwirrt.
„Meine Freundin. Die kennst du doch. Die hat die ganzen Blumen gepflanzt.“
„Ach die, ja.“ River erinnerte sich an eine hübsche Asiatin in Joeys Alter, die mitgeholfen hatte, als sie den Garten neu gemacht hatten.
„Darf die mich auch besuchen? Mum … sie wollte auch das nicht. Meinte, so eine kommt ihr nicht ins Haus.“
„Sie is’ wirklich süß“, sagte Matt.
„Klar darf sie dich besuchen“, bestätigte River.
„Und das Zimmer hat sogar zwei Betten!“, triumphierte Joey. „Vielleicht darf sie ja sogar mal über Nacht bleiben.“
„Mal sehen. Aber was das Zimmer betrifft, haben wir noch andere Pläne, Großer.“
„Ach ja?“
„Mhmm. Wir wollen das Dachgeschoss ausbauen und haben auch schon angefangen. Dann haben wir eine Menge Platz und du würdest dein eigenes Reich mit Bad bekommen. Wie findest du das?“
„Au ja! Das ist so ein tolles Haus! Das wird ein Spaß! Können wir gleich hochgehen und gucken?“
Matt sah auf die Uhr. Es war bereits nach Mitternacht. „Morgen, hm?“
„Na, gut.“
„Wieso bist du eigentlich aufgewacht. Hast du schlecht geträumt?“
Joey schüttelte den Kopf. „Ich hab noch Hunger. Is’ noch Pizza da?“
„Oh. Ja, ein paar Stücke sind noch über.“
„Darf ich die essen?“
„Klar.“
Joey stand auf.
„Äh, und Joey. Sorry, dass ich keine Geschenke habe. Wegen der ganzen Scheiße, is’ das völlig untergegangen. Aber ich versprech dir, wir ziehen morgen los und kaufen dir welche, okay?“, sagte Matt mit betretener Miene.
Doch Joey grinste nur und schüttelte den Kopf. Dann zeigte er auf River, dann auf Matt und schließlich in einer Geste auf das ganze Haus. „Nicht nötig, Dad. Das hier alles ist das allerbeste Weihnachtsgeschenk!“

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