Patchwork - Seite 6

Danach fuhren sie noch kurz bei Matts Firma vorbei, um abzuklären, was sie alles nicht kaufen mussten. Er hatte eine Menge Baustoffe auf Lager und sie konnten sich einen guten Überblick verschaffen.
Auf dem Heimweg stoppten sie noch an einem 7/11 und deckten sich mit Bier ein. Als sie wieder in Matts Wagen steigen wollten, hörten sie eine junge, angespannte Stimme „Dad!“ rufen.
Matt wirbelte herum.
River sah Amy und Joey auf dem Parkplatz gegenüber.
„Steig verdammt noch mal ein!“, herrschte Amy ihren Sohn an.
„Ich will zu Dad!“
„Steig ein oder es setzt was!“, schrie sie.
River sah, wie Matt die Fäuste ballte.
„Ich liebe dich, Dad!“, rief Joey noch mit belegter Stimme, bevor ihn seine Mutter fast gewaltsam ins Auto schubste, die Tür zuknallte und dann mit quietschenden Reifen davonraste.
River schluckte. „Wieso hast du das nicht erwidert?“, fragte er verwirrt.
„Damit sie mir ’nen Strick draus dreht, wenn ich ihm zurufe, dass ich ihn auch liebe?“, fauchte Matt.
River musste zugeben, dass da angesichts der Drohungen was dran war. „Fuck“, murmelte er, nahm ihm den Schlüssel aus der Hand und sagte: „Ich fahr. Steig ein.“
Matt tat es fluchend und starrte wie versteinert aus dem Fenster.
„Siehst du! Er nimmt es dir nicht krumm, dass du nicht beim Spiel warst“, sagte River sanft, als er an einer Ampel hielt.
Matt schnaubte. „Wenigstens etwas.“
Sie fuhren schweigend weiter, bis River Matts Wagen in der Einfahrt parkte, dann sah er seinen Freund an. „Ich hab dich gar nicht gefragt: Wäre es dir lieber, wenn sich unsere Wege ’ne Weile trennen würden, bis sich die Wogen geglättet haben?“
Matt starrte lange auf seine Finger. „Dann hätte sie gewonnen. Nein. Du bist mein einziger Halt. Mein bester Freund. Du kennst mich als einziger Mensch auf der Welt in- und auswendig.“
„Wie du mich.“
Matt nickte. „Ich darf bleiben?“
River schnaubte. „Was für eine Frage. Haben wir grade ’ne Tonne Baumaterial aufgeladen?“ Er deutete auf die Ladefläche.
„Sorry, war ’ne Scheißfrage.“
„Verziehen.“
Immer noch saßen sie im Wagen.
„Gehst du wieder aus?“, fragte Matt und es klang fast ein wenig ängstlich.
„Nein. Mir reicht’s noch von gestern“, erwiderte River und es war sogar die Wahrheit.
„Bereit abzuladen?“, fragte Matt und hörte sich schon besser an.
„Klar.“

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