Daniel & Kevin - Love and Protect

Wieder knabberte jemand an ihm. Jetzt spürte er auch einen Körper ganz dicht an seinem. Seitlich. Er seufzte leise, als eine Hand auf seiner Hose landete.
„Offenbar gefällt es dir, was ich mache, hm?“
Daniel schluckte. Das war Kevins Stimme! Was zum Teufel …?
„Mir gefällt es auch.“
Daniel spürte, wie die Knöpfe seiner Jeans geöffnet wurden, dann schob sich eine Hand hinein. Er konnte nicht anders und presste sich in die Hand.
„Oh ja …“ Er keuchte leise, als die Hand ihn sehr gekonnt zu massieren begann.

Daniel fuhr hoch und fand sich im Bett wieder. Alleine. Mit der Hand in seiner Hose. Sein Atem ging schwer und er brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass er wohl nur geträumt hatte. Er lauschte, doch es war nichts zu hören.
Leise stöhnend sank er zurück in die weichen Kissen. Als er seine Hand aus der Hose ziehen wollte, merkte er erst, wie hart er war. Erst wollte er dem nicht nachgeben, doch dann konnte er nicht anders und tat es einfach.
Als der Orgasmus langsam verebbte, säuberte er sich mit einem Kleenex.
Er hatte den ganzen Abend mit Mario über Kevin geredet. Kein Wunder, dass er nun von ihm träumte. Doch das war nur die halbe Wahrheit, denn Kevin suchte ihn bereits seit über einer Woche regelmäßig in seinen Träumen heim und er konnte nichts dagegen tun. Das, was er tagsüber tunlichst versuchte zu vermeiden, tat nachts sein Unterbewusstsein, wenn es niemand im Zaum hielt.
Daniel setzte sich seufzend auf und angelte nach seiner Wasserflasche, doch sie war leer. Für einen kurzen Moment überlegte er, ob er einfach liegen bleiben sollte, doch er hatte Durst.
Also quälte er sich aus dem Bett und ging barfuß in die Küche. Der Mond schien durch die Fenster des Essbereichs und spendete genug Licht. Er holte sich ein Glas aus dem Schrank und füllte es mit Leitungswasser, das er in wenigen Zügen leerte. Dann stützte er sich mit beiden Armen an der Spüle ab und starrte ins Leere. Er hörte das leise Geräusch von Hundepfoten, die sich näherten. Wenig später stupste ihn Buddha am Bein an.
„Alles gut“, murmelte er abwesend und hörte, wie sich Buddha zu seinen Füßen legte, dann schweifte er gedanklich wieder ab. In sein Bett zog es ihn nicht, da er wusste, dass er vermutlich wieder träumen würde.
Die Stille hüllte ihn ein und tat gut, bis ihn etwas an der Schulter berührte.
„Hey? Alles okay mit dir?“, hörte er eine leise und besorgt klingende Stimme rechts neben sich.
Er fuhr wie von der Tarantel gestochen herum und erblickte Kevin, der nur einen halben Meter von ihm entfernt stand. Ihre Blicke trafen sich und wieder tauchte er ein in diese sanft blickenden Augen. Er war augenblicklich wie gelähmt und starrte ihn nur fassungslos an.
Kevin erwiderte seinen Blick schweigend.
„Ich hatte nur Durst, hab ich dich geweckt?“, fragte er leise, so, als hätte er Angst, ein Wort in normaler Lautstärke würde ihn aus seiner Trance wecken. Vage sah er, wie Kevin den Kopf schüttelte. Bevor er noch etwas sagen konnte, kam Kevin näher und ihm stockte der Atem. Ihre Körper berührten sich nicht, aber die wenige Luft, die sich noch zwischen ihnen befand, schien zu vibrieren und sich immer mehr elektrisch aufzuladen. Er schluckte.
„Wieso wehrst du dich so sehr dagegen?“, flüsterte Kevin.
Daniels Knie wurden weich und in seinen Ohren begann es augenblicklich zu rauschen, weil sein Blutdruck in schwindelerregende Höhen stieg. Hatte er sich verhört? Er musste sich verhört haben! Fast automatisch bewegte sich seine Hand Richtung Lichtschalter, doch dann spürte er eine Hand auf seiner Brust. Genau über seinem wild hämmernden Herzen.
„Nicht“, sagte Kevin immer noch sehr leise und sein Ton war bittend.
Sie starrten sich noch sekundenlang in die Augen, dann überwand Kevin die letzten Zentimeter und küsste ihn zärtlich.
Der Blitz schlug ein und tausend Emotionen schossen gleichzeitig durch Daniels Körper. Das konnte einfach nicht wahr sein! Er musste immer noch träumen!
Gleichzeitig drückte sich Buddhas Schnauze in seine Hand, so als wolle der Hund ihn vom Gegenteil überzeugen. Er hörte ihn leise winseln.
Daniel atmete scharf ein, doch Kevin zog sich nicht zurück.
„Wieso Danny? Wäre das wirklich so schlimm?“, fragte er tonlos und bei jedem Wort kitzelten ihn Kevins Lippen.
Seine Hand glitt zu Kevins Wange und er spürte die feinen Bartstoppeln, die sein Gesicht überzogen. Zärtlich strich sein Daumen über Kevins Unterlippe, der diesen ungeniert sanft küsste und ihn dann wieder fragend ansah.
Als Kevin den einen Zentimeter, der sie noch trennte, überwand und sich ihre Lippen das nächste Mal berührten, war es um Daniel geschehen und endlich trafen sich auch ihre Zungen zu einem zärtlichen Spiel.
Beide seufzten, setzten ab, taten es erneut. Immer noch standen sie dicht voreinander und es schien, als wollte keiner der beiden den Zauber des ersten Kusses zerstören.
Schließlich standen sie nur da und hatten die Stirn an die jeweils andere gelehnt.
Und wieder war es Kevin, der nach einer Weile die Stille mit einem kaum hörbaren Flüstern unterbrach: „Was denkst du?“
Daniel schnaubte leise, dann sah er auf. „Ich hoffe inständig, dass ich nicht wieder nur träume.“
Kevin schenkte ihm sein umwerfendes Lächeln, nahm ihn an der Hand und zog ihn aus der Küche. Daniel schluckte und folgte ihm.
Vor seiner Zimmertür machte Kevin halt und sah ihn fragend an. „Zu dir oder zu mir?“
„Zu dir.“
Wenig später lagen sie im Bett.
Kevin beugte sich über Daniel und kurz bevor sich ihre Lippen erneut trafen, sprang Buddha aufs Bett.
Als der Hund es sich ungeniert bequem machte und seinen Kopf auf ihre verschlungenen Beine legte, hob Daniel den Kopf.
„Äh, nichts für ungut, aber wie wär’s mit einer klitzekleinen Privatsphäre?“, fragte er Buddha vorwurfsvoll. „Ich pass schon auf ihn auf. Versprochen.“
Der hob den Kopf, leckte sich die Schnauze und sprang vom Bett.
Sie sahen sich verblüfft an.
Kevin stemmte sich hoch und sah ihm nach. „Der geht in sein eigenes Bett. Unfassbar, dass er das kapiert hat.“
„Schlauer Hund“, brummte Daniel, als sich Kevin wieder über ihn beugte.
Der sah ihm in die Augen und wirkte fast etwas überrascht, während er den Kopf schüttelte.
„Hm?“, machte Daniel.
„Dachte, der Tag würde nie kommen“, murmelte Kevin und küsste sein Kinn. „Heute ist Weihnachten, stimmts?“
Daniel lächelte. „Ich glaub, wir hatten grad erst Frühlingsanfang, aber ich stimm dir zu: Es fühlt sich definitiv an wie Weihnachten.“
Mit diesen Worten zog er Kevin zu sich herunter und sie küssten sich erneut.
Schließlich erklang ein leises Schnarchen vom Fußboden, das beide Männer zum Grinsen brachte und das unmissverständlich davon zeugte, dass Buddha mit der neuen Situation komplett einverstanden war.

© 2019 Andy D. Thomas - All rights reserved