Daniel & Kevin - Love and Protect

„Mein Wagen steht da vorne.“
„Das heißt, ich darf jetzt mal, ohne was angestellt zu haben, in einem Streifenwagen mitfahren?“
„Sorry, Zivilfahrzeug. Bin ja Detective.“
„Ah, verstehe. Egal.“
Wenig später luden sie die Taschen in den Kofferraum von Daniels Wagen.
„Oh Mann, ist das ein Carbon 7?“
Daniel war froh, dass Kevin offenbar für den Moment an etwas anderes denken konnte. „Jep.“
Sie stiegen ein und Daniel fuhr los.
„Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich hab zuletzt heute Mittag was gegessen und hab einen Bärenhunger.“
„Ich hab nur ein paar Mäuse an mir.“
„Das war nicht die Frage.“
„Oh, hm, ich hab heute noch gar nichts gegessen“, gestand Kevin. „Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich was runterbekomme.“
„Ich mach dir einen Vorschlag: Ich bestell ein paar Burger, dann holen wir die ab und essen bei mir.“
„Okay.“
Daniel rief über seine Freisprechanlage bei Granny’s Diner an, der nicht weit von seinem Zuhause entfernt war, und gab eine Bestellung auf.
Zwanzig Minuten später parkte er vor dem Diner, sprang aus dem Wagen und kam kurz darauf mit einer großen Papiertüte wieder.
„Riechen tut’s saugut“, bemerkte Kevin.
„Und schmecken tut’s noch besser, glaub mir. Wir sind gleich da.“
Keine zwei Minuten später bog Daniel in eine Einfahrt, die nach wenigen Metern vor einem eisernen Gate endete. Er öffnete es mit einer Fernbedienung und während das Tor zur Seite glitt, fiel Kevins Blick auf das dezente Schild mit der Aufschrift „Jasper’s Rainbow Foundation“. Dann rollten sie hindurch und das Tor schloss sich wieder.
Kevin rieb sich die Augen, als sie durch einen fast parkähnlichen Garten fuhren. Viel konnte er zwar trotz vereinzelter Spots wegen der Dunkelheit nicht erkennen, aber das Haus befand sich gut hundert Meter weiter hinten. Was hieß schon Haus? Das hier war eine Villa im viktorianischen Stil. Hammer!
„Heilige Scheiße, hier wohnst du?“, platzte es wieder aus ihm heraus.
„Mhmm.“
Hundebellen ertönte und Kevin verstummte.
„Ja, ja, is’ ja schon gut“, murmelte Daniel und hielt vor der Garage, die sich ebenfalls in diesem Moment öffnete. „Hast du Angst vor Hunden?“
„Äh, normalerweise nicht, aber …“ Er reckte den Hals und versuchte, einen Blick zu erhaschen.
„Keine Sorge. Es sind zwar Wachhunde, aber solange du beim ersten Mal mit mir auftauchst, besteht keine Gefahr für dich. Bleib trotzdem kurz sitzen.“
„Mhmm.“
Daniel stieg aus und gab zwei kurze Kommandos, die wie Aus und Sitz klangen. Dann wurde seine Tür geöffnet.
„Was war denn das für ’ne Sprache?“
„Deutsch. Komm, ich möchte dich vorstellen.“
Kevin war trotz allem etwas mulmig zumute, als er aus dem Wagen stieg, aber er stellte sich der Herausforderung. Vor der Garage saßen zwei prachtvolle Deutsche Schäferhunde, die im Moment nur Augen für Daniel hatten.
„Das hier …“ Daniel zeigte auf den rechten. „… ist Elvis und das hier ist Max. Es sind unsere Wachhunde, aber für unsere Bewohner auch ganz normale Kumpel. Sie befolgen allerdings nur deutsche Befehle. Aus heißt so viel wie halt die Klappe oder gib den Ball her und Sitz heißt setz dich hin. Sie haben es verstanden, wie man sieht. Darf ich vorstellen? Das ist Kevin. Seid nett zu ihm. Kevin, lass Elvis an deiner Hand schnuppern. Vertrau mir.“
Kevin tat, wie ihm geheißen, und der Hund berührte sofort mit seiner kalten Nase seine Hand. Dann winselte er leise und leckte kurz darüber.
Brav. Das heißt gutgemacht“, übersetzte Daniel für ihn. „Nun Max.“
Die Prozedur wiederholte sich.
„Sieht so aus, als wärest du okay“, witzelte Daniel. „Ab ihr zwei, macht euren Job!“
Und obwohl Daniel dieses Mal wieder Englisch gesprochen hatte, stoben die beiden wieder hinaus in den dunklen Garten.
„Puh“, machte Kevin. „Glück gehabt, was?“
„Sieht so aus.“
„Die verstehen aber nicht nur Deutsch?“
„Nein, natürlich nicht. Aber bei der Arbeit schon.“
Daniel fischte die Burger-Tüte vom Rücksitz und während sich das Garagentor schloss, ging er zu einer Verbindungstür, die von der Garage anscheinend direkt ins Haus führte.
Kurz darauf sperrte Daniel auf und ließ ihn ein.
Wenig später betraten sie Daniels Wohnräume.
„Mein kleiner sehr privater Zugang“, sagte Daniel und stellte Kevins Tasche ab.
Kevin tat es ihm gleich und ließ seinen Blick erstaunt durch die geräumige, moderne Küche mit der großen separaten Kochinsel gleiten. An der Insel, etwa mittig verbunden, befand sich ein erhöhter Tisch mit vier Barhockern.
„Wow!“
„Wollen wir erst essen? Danach zeig ich dir alles. Sonst wird es nur kalt und das wäre wirklich ein Jammer.“ Daniel stellte die Tüte auf den Tisch und begann sie auszupacken, während Kevin seine Jacke auszog und über seine Tasche legte. „Sieh mal im Kühlschrank nach, was du trinken möchtest. Nimm dir, was du magst. Ich räum nur meine Waffe weg.“
„Okay.“ Er sah Daniel nach, der in den Tiefen der Räume verschwand und kurz darauf ohne sein Schulterhalfter wiederkam.
Wenig später saßen sie sich auf zwei Barhockern gegenüber und auch, wenn Kevin bis vor ein paar Minuten davon überzeugt war, nichts hinunterzubekommen, so langte er nun doch zu. Der Burger war riesig und gut belegt mit viel Fleisch, Salat, Tomaten, Käse und knusprig gebratenem Speck. Und er duftete einfach zum Reinbeißen. Daniel hatte vier Stück bestellt, dazu Pommes und den besten Krautsalat, den Kevin je probiert hatte.
Nach dem ersten Burger fand er seine Sprache wieder. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Cop, äh, ein …“
„Schon gut.“
„… so wohnt. Wie um alles in der Welt kannst du dir das leisten? Mir ist grad ein wenig mulmig. Dachte immer Cops, äh, Polizeibeamte verdienen jetzt nicht gerade so toll …“
„Tun sie auch nicht.“

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