Daniel & Kevin - Weihnachten im Frühling

Eigentlich hatten sie geplant, sich noch bei Sean’s zu treffen, auch wenn es schon spät war. Die Bar war bei den Cops sehr beliebt und daher gab es dort auch rund um die Uhr etwas zu essen.

Daniel brachte Mario kurz auf den neuesten Stand. „Warte lieber nicht auf mich. Sollte dieser Kevin auf mein Angebot eingehen, fahr ich mit ihm nach Hause. Zur Not hol ich mir irgendwo noch einen Burger. Vermutlich hat der Junge eh noch nichts gegessen. Braucht ganz schön Eier, gegen seine eigenen Eltern ein Kontaktverbot zu erwirken, außerdem ist es todtraurig.“

„Klingt ziemlich übel. Hoffentlich kannst du ihn überzeugen, erstmal mitzukommen. Viel Glück.“

„Danke. Ich ruf dich an.“ Das Wochenende war endlich einmal frei, nachdem sie einen komplizierten Fall zu Ende gebracht hatten und den ganzen Tag über mit nichts anderem als Schreibkram beschäftigt waren.

„Bis dann.“

Daniel steckte das Handy weg. Mit seiner Lederjacke in der Hand klopfte er an und trat dann in Susans Büro. Sein Blick fiel auf den jungen Mann, der völlig entnervt auf dem Stuhl vor Susans Schreibtisch saß. Er war groß, schlank und wirkte sehr gepflegt, wenn seine schwarzen Haare auch so aussahen, als wäre er gerade aus dem Bett gekrochen. Wären da nicht die tiefen Ringe unter den Augen und die Sorgenfalten gewesen, hätte er vermutlich ziemlich attraktiv ausgesehen.

Es entging Daniel nicht, dass Kevin etwas besorgt dreinsah, da sein Schulterhalfter ihn deutlich als einen weiteren Polizisten auszeichnete, auch wenn er zivile Kleidung trug. Vermutlich dachte er: Zwei Bullen, nur weil ich nicht will, dass mich meine Eltern kontaktieren?

„Keine Sorge, Sie haben nichts zu befürchten“, sagte Susan sogleich beschwichtigend, als Kevin die Arme schützend vor der Brust verschränkte. Mit unsicherem Blick sah er zu Daniel auf.

„Hallo … Sir“, nuschelte er.

„Hi, Mr. Sailor. Officer Melrose hat mir kurz berichtet, dass Sie ein Kontaktverbot erwirkt haben und im Moment nicht wissen, wo Sie hinsollen.“

Kevin stand auf. „Is’ ja nicht Ihr Problem, ich komm schon irgendwo unter …“

„Kevin, hören Sie sich wenigstens an, was für einen Vorschlag Detective Peters hat, hm? Ich lass Sie beide mal kurz alleine.“ Mit diesen Worten ging sie zur Tür und verschwand.

Daniel hängte seine Jacke über Susans Bürostuhllehne und setzte sich dann. Es entging ihm nicht, dass Kevin ihn verstohlen musterte. Zumindest war er noch nicht getürmt.

„Bitte setzen Sie sich doch nochmal, Mr. Sailor. Was ich mit Ihnen besprechen will, hat rein gar nichts mit meiner Polizeiarbeit zu tun. Ich will Ihnen nur meine Hilfe anbieten.“

Der junge Mann schien augenblicklich etwas erleichtert, denn er sagte: „Kevin. Bitte sagen Sie Kevin. Der Nachname bringt mich nämlich zum Kotzen.“

„Gerne.“ Daniel sah ihn freundlich an und langsam sank Kevin wieder auf den Stuhl vorm Schreibtisch. „Officer Melrose meinte, Sie wissen nicht, wo Sie heute Nacht bleiben können, stimmt das?“

„Mhmm. Ich hab bislang immer bei Bekannten in ’ner WG übernachtet, weil einer der Bewohner ’n halbes Jahr in Australien war, aber der kam vor ein paar Tagen zurück und hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass ich mich verpissen soll. Also hab ich meine Sachen gepackt und bin raus.“

„Haben Sie da richtig gewohnt?“

Kevin schüttelte den Kopf. „Nein, eher mal gecrasht wenn es zu Hause wieder schlimmer wurde.“

„Verstehe.“

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