Daniel & Kevin - Weihnachten im Frühling

„Kann ich gut verstehen und, so traurig es ist, ich zieh wirklich den Hut vor Ihnen.“

„Auch wenn ich mir immer noch nicht hundertprozentig sicher bin, ob es richtig ist, was ich grad gemacht hab.“

„Irgendwann ist immer mal der Punkt erreicht, wann man handeln muss. Ich denke, Sie haben richtig gehandelt“, erwiderte Daniel. „Heißt das, Sie wollen mitkommen?“

„Wenn das geht?“, nuschelte er.

Daniel lächelte erleichtert. „Na dann …“ Er stand auf und streckte Kevin die Hand hin. „… ich bin Daniel.“

Als sie sich die Hand gaben, trafen sich ihre Blicke für einen kurzen Moment und Daniel tauchte ein in zwei dunkelgraue Augen, die schon viel Leid gesehen hatten. Aber er sah auch einen Kämpfer hinter all dem Leid. Es gefiel ihm.

„Ich bin Kev.“

„Hast du irgendwelche persönliche Sachen dabei?“

Kevin nickte zu zwei großen Taschen, die weiter hinten standen. „Da ist alles drin, was mir auf die Schnelle einfiel.“

„Wenn du noch was brauchst, können wir einen Kollegen bitten, dich zu begleiten. Dann kannst du holen, was du noch brauchst.“

Kevin verzog das Gesicht. „Erstmal nicht. Danke. Ein Dach über dem Kopf ist mir jetzt tausendmal wichtiger.“ Er lächelte zum ersten Mal zaghaft.

Daniel öffnete die Tür und nickte Susan zu. „Wir sind fertig.“

„Haben Sie Detective Peters Angebot angenommen?“

Kevin nickte.

„Oh, wie schön!“ Man sah ihr die Erleichterung an. Sie ging zu ihrem Schreibtisch und hob ein Blatt Papier auf. „Vergessen Sie das nicht.“ Es war sein Exemplar des Kontaktverbots. „Spätestens morgen Früh wissen Ihre Eltern Bescheid.“

Kevin nahm es, faltete es und steckte es ein.

„Für wie lange?“, fragte Daniel.

„Ein Jahr“, erwiderte Susan.

„Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommt“, murmelte Kevin. „Und es bricht mir trotzdem das Herz“, schickte er fast tonlos hinterher.

„Kevin, Sie haben alles getan, was sie konnten; haben Ihre Mutter allein dieses Jahr bereits dreimal hierher begleitet. Mehr kann man wirklich nicht erwarten“, sagte Susan.

Kevin seufzte. „Dreimal und wir haben gerade mal März. Letztes Jahr waren es bis Dezember dreimal.“

„Eltern sollten in erster Linie für Ihre Kinder da sein, nicht umgekehrt. Vor allem wenn sie noch jung sind.“ Sie streckte ihm die Hand hin und Kevin nahm sie. „Passen Sie auf sich auf.“

„Danke Ma’am.“

Daniel hatte eine der beiden Taschen genommen. „Geh’n wir. Schönen Abend, Susan. Ich hoff, der Rest der Nacht bleibt ruhig.“

„Träum weiter.“ Sie rollte mit den Augen, als draußen ein randalierender Betrunkener hereingebracht wurde.

Daniel wartete noch einen Moment, bis sie vorbei waren, dann ging er mit Kevin nach draußen.

„Mein Wagen steht da vorne.“

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