Dave & Jessie - Healing

Wie viel simpler sein Leben doch noch vor ein paar Monaten gewesen war.

Er arbeitete hart. Hatte sein Hobby zum Beruf gemacht. War Karatetrainer und Sportlehrer an einer elitären Privatschule, an der er auch sporadisch mit Jason Kurse in den verschiedenen Kampfsportarten gab.

Als Kind brutal vom besten Freund seines Vaters für fast zwei unendlich elende Jahre missbraucht, hatte er alle Gefühle, gute und schlechte, in einen Stahltresor mit undurchdringlichen Wänden gepackt. Er wollte nie wieder im Leben etwas empfinden. Dass er damit auch alle schönen Gefühle ausschloss, war ihm egal gewesen. Den Schmerz auszusperren war wichtiger gewesen, als alles andere. Es war überlebenswichtig gewesen.

Damals war sein hart arbeitender Vater nach zwei Jahren Martyrium durch puren Zufall dahintergekommen und hatte Dave gerettet, indem er seinen Peiniger erschoss. Danach hatte er sich allerdings selbst gerichtet und Dave allein gelassen. Daves Mutter lebte damals bereits nicht mehr; sie war acht Jahre nach seiner Geburt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.

Sein Onkel Martin hatte sich seiner angenommen, ihn davor bewahrt, auf die schiefe Bahn zu geraten, und ihn letztendlich mit dem Kampfsport bekannt gemacht.

Sport war sein Leben und speziell Karate hatte ihm das Leben gerettet.

Nie wieder würde er einen Menschen an seinen Körper heranlassen.

Nie wieder würde ihn ein Mensch berühren.

Sein tätowierter Körper war der beste Beweis dafür.

Dave war nicht nur Sportlehrer, sondern auch Vertrauenslehrer an der besagten Schule, an der er unterrichtete. Er konnte sich noch sooft einreden, mit Gefühlen nichts am Hut zu haben, und dennoch hatte er schon mehrfach Missstände in verschiedenen Familien aufgedeckt. Sein Mut, sich einzumischen, hatte vermutlich mehrfach Schlimmeres verhindert. Er hatte ein unglaubliches Gespür für Recht und Unrecht.

Natürlich hatte er auch Sex. Etwas anderen Sex als die meisten Menschen.

Dave war schwul. Er war ein beeindruckender Mann, ein Kämpfer, eine ziemlich imposante Erscheinung, wenn er wollte.

Er war seit fast zwanzig Jahren in der harten BDSM-Szene unterwegs. Wenn er Sex wollte, dann ging er in einen der ihm gut bekannten, einschlägigen Clubs, setzte sich an einen bestimmten Tisch und meistens dauerte es nicht lange, bis die Männer von ganz allein zu ihm kamen. Er zog sie an wie Motten das Licht.

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