Luke & Tim - Bound Passion

Noch schlimmer für Tim war die Tatsache, dass viele seiner Eishockey-Freunde entweder kürzlich geheiratet oder sogar schon Kinder hatten. Er fühlte sich unter Druck gesetzt, hatte er doch eine tolle Frau an seiner Seite. Auf was wartest du noch?, schienen ihn alle anderen immer öfter zu fragen.

Er wusste, dass Mary-Beth einen Antrag seinerseits nicht nur ersehnte, sondern in naher Zukunft auch erwartete. Seine Eltern hatten ihr die größtmöglichen Hoffnungen darauf gemacht; nicht er.

Der nächste Punkt war sein Bürojob, den er hasste, und Tim wünschte mindestens jede zweite Woche, dass er einmal seinem Vater etwas abgeschlagen hätte. Nur einmal. Nämlich damals, als der ihm diesen Job in seiner Firma aufs Auge gedrückt hatte. Praktisch über Nacht, als der bisherige Marketingleiter völlig entnervt hingeschmissen hatte und ein großer Job die Existenz der Firma zu zerstören drohte.

Inzwischen war Tim 26 Jahre alt, hatte seinen Universitätsabschluss in Wirtschaftswissenschaften, Informatik und sogar ein paar Semester Jura studiert – Letzteres, weil sein Vater das wollte, nicht er.

Wenn es nach Tim gegangen wäre, dann wäre alles ganz anders gekommen.

Doch er hatte sich gefügt, und war trotz seiner jungen Jahre inzwischen Leiter der Marketingabteilung in der elterlichen Firma. Sein Traumjob sah jedoch etwas anders aus. Tim hatte während des Studiums schon für Sicherheitsfirmen gejobbt und fand die Arbeit aufregend und gut bezahlt. Er war kein Typ, der gerne herumsaß und hätte bei mehreren Firmen sofort fest anfangen können, das hatte man ihm bereits zu verstehen gegeben, auch noch lange nach seinem Studium. So ein Job würde ihm wesentlich mehr liegen, als sein verfluchter Bürojob, den er nur dank seines aktiven Hobbys Eishockey ertrug.

Das alles wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein, wären da nicht Tims dunkle Sehnsüchte, von denen niemand etwas wusste, geschweige denn ahnte.

Bis auf einen: Luke.

Würde er sich für Mary-Beth entscheiden, dann müsste er diese Sehnsüchte aufgeben, die geheimen Online-Treffen mit diesem faszinierenden Mann, die heimlichen E-Mails unter der Woche, die Video-Chats, die nur sonntagnachts stattfanden und die er immer wieder aufs Neue mit jeder Faser seines Körpers ersehnte.

Nach drei Monaten intensiven Online-Kennenlernens hatte Luke ihn schließlich zu einem Video-Chat überredet und als Tim Luke zum ersten Mal live und wahrhaftig vor sich gehabt hatte, war es um ihn geschehen gewesen. War er zuvor noch halbwegs vernünftig genug gewesen, dass alles nur eine Phantasie war – die stundenlangen Rollenspiele, der verbale Schlagabtausch, nur eben in Schriftform – so wurde er nun mit einer Realität konfrontiert, die seine dunkelsten Sehnsüchte in greifbare Nähe rückte.

Tim hatte sich, ohne mit der Wimper zu zucken, für Luke ausgezogen und verbrachte die Video-Chats meist nackt und devot kniend.

Luke würde ihn selbst im wahren Leben bei einer Körpergröße von 1,96 m um einen halben Kopf überragen. Luke war ein Riese, praktisch ein Bär von einem Mann. Groß, kräftig, gut trainiert. Allein der Gedanke, selbst aufrechtstehend zu ihm aufschauen zu müssen, sollte er je leibhaftig vor ihm stehen, erregte ihn. Und Luke war elf Jahre älter als er.

Er wusste, dass Luke anfangs noch seinen Neigungen als Dom nachgegangen war, aber nach ein paar Monaten hatte er sie so gut wie aufgegeben und arbeitete seitdem daran, Tim eine Beziehung schmackhaft zu machen. Eine Beziehung, die ihm alles versprach, was er sich sehnlichst wünschte.

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