Luke & Tim - Bound Passion

Nun, sein Vater würde ihn augenblicklich enterben und vermutlich nie wieder ein Wort mit ihm wechseln, sollte er je von Tims Coming-out erfahren oder er würde seine Homosexualität einfach komplett ignorieren und so tun, als wäre alles beim Alten.

Seine Mutter hatte selten eine eigene Meinung und daher konnte er auch nicht darauf zählen, dass sie ihm den Rücken stärkte.

Und Mary-Beth? Sie wäre verletzt und vermutlich am Boden zerstört. Aber konnte er sie wirklich ein Leben lang anlügen? War es nicht nur mehr als fair, die Sache endlich zu beenden?

Tim blinzelte hinter seiner Sonnenbrille, als seine Augen zu brennen anfingen. Tränen drohten aufzusteigen. Er belog sie und vor allem auch sich selbst eh schon viel zu lange, nur weil er ihr nicht wehtun wollte und doch wusste er, dass genau dies geschehen würde. Egal, ob er ihr die Wahrheit sagte oder einfach aus seinem bisherigen Leben verschwände.

Ein nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt wäre, dass er endlich seinen verhassten Marketingjob an den Nagel hängen könnte. Wie es der Teufel wollte, besaß Luke eine der elitärsten Sicherheitsfirmen des Landes, mit Filialen nicht nur hier in Kanada, sondern auch in den USA. Und dies hieß nicht nur Objektschutz, sondern auch Personenschutz und alles, was man sich nur vorstellen konnte. Luke hatte ihm bereits einen Job angeboten, sofern er die körperliche Aufnahmeprüfung bestehen sollte. Diese Aussicht war einfach phänomenal und das i-Tüpfelchen für ihn, auch noch den letzten Schritt zu wagen.

Also nächste Frage: Wann wirst du endlich eine Entscheidung treffen? Luke wird vermutlich nicht ewig auf dich warten. Vielleicht noch ein paar Monate, aber wenn du nicht irgendwann in naher Zukunft eine Entscheidung triffst, was dann?

Würde er diese Episode einfach so als schräge Erfahrung abtun können?

Niemals!

Es blieb nur eine einzige Antwort: Tu es! Kehr deinem bisherigen Leben endlich den Rücken zu.

Kehr deinem Job den Rücken.

Deinen Eltern.

Mary-Beth.

 

An diesem Montag, es war ein Feiertag, brachen sie frühmorgens aus ihrem Übernachtungs-Camp auf und erreichten gegen halb elf ihren letzten Rastplatz vor dem langen Abstieg.

Eine unglaubliche Fernsicht in alle Richtungen belohnte sie für die Mühen und Anstrengungen und sie hatten sich ihre Pause reichlich verdient.

Tim nahm einen kräftigen Schluck aus der Thermosflasche, die Jake, einer ihrer Bergführer, herumreichte. Darin befand sich offenbar Tee mit viel Rum.

„Haut voll rein“, stellte er mit einem breiten Grinsen fest, bevor er das Getränk an seinen Kumpel Derek weitergab.

Kurz nach Mittag machten sie sich schließlich an den eigentlichen Abstieg.

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